Das Coronavirus stellt viele auch in familiären Belangen vor schwierige Herausforderungen. Manche Familien rücken näher zusammen, bei anderen entstehen Spannungen oder es verschärft sich eine bereits angespannte Situation.


Für rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Trennung oder Scheidung sind wir auch in der aktuellen Situation via email, Videokonferenz oder Telefon für Sie da. Auch wenn Gerichte derzeit nur eingeschränkt im Betrieb sind, spricht nichts dagegen, in dieser Zeit eine bevorstehende Scheidung gut vorzubereiten, indem etwa eine ausgewogene Scheidungsvereinbarung ausgearbeitet wird. Auch Trennungsvereinbarungen können im Einzelfall offene Probleme regeln.

Auf einige sich ergebende familienrechtliche Fragen möchten wir hier eingehen:

Kann trotz der verordneten Maßnahmen das Besuchsrecht zu den Kindern, die beim anderen Elternteil wohnen, ausgeübt werden?

Es ist auch unter den aktuellen Maßnahmen zulässig, das Haus zu verlassen, um vorgesehene Kontaktrechte zwischen Eltern und Kindern auszuüben. Nach einer klaren Vorgabe des Justizministeriums erlaubt die derzeit geltende Verordnung die Betretung des öffentlichen Raums für diesen Zweck. Kinder dürfen daher zu einem Elternteil, bei dem sie nicht oder nicht hauptsächlich wohnen, gebracht und auch von dort wieder abgeholt werden. Sollte es hier zu Problemen kommen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.

Muss man nun weniger Unterhalt zahlen?

Grundsätzlich bleibt ein festgesetzter Unterhaltsanspruch, egal ob Kindes- oder Ehegattenunterhalt, auch in Krisenzeiten bestehen. Wenn sich aber die Umstände ändern, man beispielsweise wegen Kurzarbeit oder Jobverlust weniger verdient, hat man einen Anspruch auf Unterhaltsanpassung. Dies ist im Einzelfall anhand des Unterhalttitels zu prüfen. Gerne beraten wir Sie und führen Berechnungen durch.

Ist es derzeit auch möglich, einen Unterhalts- oder Unterhaltsvorschussantrag zu stellen?

Es ist trotz der Corona-Pandemie möglich, Anträge und sonstige Eingaben fristwahrend bei Gericht einzubringen. Sowohl ein Unterhaltsantrag als auch ein Unterhaltsvorschussantrag können daher bei Gericht eingebracht werden.


Grundsätzlich können auch nach wie vor Unterhaltsansprüche mittels einstweiliger Verfügung zugesprochen werden. Der vorläufige Unterhalt kann höchstens bis zum jeweiligen altersabhängig bestimmten Betrag der Familienbeihilfe bewilligt werden (2020: zwischen 114,- und 165,10 Euro). Dafür ist über den Antrag ohne Anhörung des Elternteils unverzüglich zu entscheiden.


Unterhaltsvorschüsse können bei Vorliegen eines Unterhaltstitels (insbesondere Gerichtbeschluss, Vereinbarung vor dem Kinder- und Jugendhilfeträger) derzeit bis 30. April 2020 auch dann gewährt werden, wenn das Kind keinen entsprechenden Exekutionsantrag bei Gericht einbringt.

Erhöht sich der Anspruch auf Unterhalt, wenn man nun weniger verdient?

Wenn der Elternteilt, bei dem ein Kind wohnt, vom anderen Elternteil Kindesunterhalt erhält, hat der Umstand, dass man selbst weniger verdient, keinen Einfluss auf den Unterhaltsanspruch. Anders ist es unter Umständen beim Ehegattenunterhalt (bzw Alimenten nach der Scheidung). Wenn der gesetzliche Unterhalt zur Anwendung kommt, ist das eigene Einkommen in die Unterhaltsbemessung miteinzubeziehen und verändert sich dadurch allenfalls der Anspruch. Wenn eine gesonderte Regelung getroffen wurde, ist dies im Einzelfall zu prüfen.